Hintergründe und Forderungen

Februar 2017: Pressemitteilung zu "Umdenken in der Hildesheimer Verkehrspolitik"
Der Hildesheimer Arbeitskreis „Hildesheim will Rad fahren“ fordert ein Umdenken in der Hildesheimer Verkehrspolitik. Angesichts der dramatischen Luftverpestung in der Innenstadt und der katastrophalen Klimaerwärmung ist ein weiterso nicht mehr tragbar.
Deshalb plädiert der Arbeitskreis für eine radikale Hildesheimer Verkehrswende. Für eine Politik, in der der Fuß-, Rad- und öffentliche Personennahverkehr im Mittelpunkt der städtischen Ausgaben stehen.

Das Aktionsbündnis fordert mehr Anreize zum Radfahren zu schaffen durch:
- mehr Raum für Fußgänger und Radfahrer,
- ein Abbau von öffentlichen Parkplätzen (Die vorhandenen Parkhäuser sind in der Innenstadt ausreichend.)
- Ausbau der Aktion „Mit dem Fahrrad zur Arbeit“,
- Teilnahme an der bundesweiten Aktion „Stadtradeln“ (Für das Klima in die Pedale treten.),
- mehr Öffentlichkeitsarbeit,
- bekannte Mitglieder der Verwaltung, Politik und Verbände werben durch Rad fahren.

Um die Luftverpestung und den Ausstoß von Treibhausgasen einzuschränken und die Sicherheit der Radfahrer zu erhöhen, fordert der Arbeitskreis die Schließung der Schuhstraße für den individuellen Durchgangsverkehr, zunächst probeweise in den Sommermonaten und mit entsprechenden Erfolgsuntersuchungen.
Hildesheim bewirbt sich als Weltkulturhauptstadt. Angesichts der heutigen Probleme ist eine Kulturstadt nicht ohne eine fußgänger-, fahrrad- und busfreundliche Kultur denkbar.

Arbeitskreis „Hildesheim will Rad fahren“
im Auftrag: Alfred Müller und Dietmar Nitsche


Dezember 2016: Forderungen des Aktionsbündnisses an die Stadtverwaltung und deren Antwort (Kursiv)

1. Eine Mobilitätszentrale am Hildesheimer Hbf, mit Informationen für Nutzer von Bus/Bahn/Fahrrad
Die Möglichkeit der Einrichtung einer solchen Mobilitätszentrale wurde mit Errichtung des Bäckerpavillons am Bahnhofvorplatz geschaffen. In dem Pavillon ist ein zum Bahnhof gerichteter Raum für diesen Zweck geplant und freigehalten worden. Dieser Raum wird zurzeit allerdings nicht bespielt.

2. Eine Ausweitung des Großraum-Verkehr Hannover (GVH) bis nach Hildesheim
(bisher nur bis Sarstedt) mit einer kostengünstigen Fahrradmitnahme.
Diese Antwort ist vom Landkreis Hildesheim: Es war und ist nie eine Ausweitung des GVH bis nach Hildesheim geplant oder diskutiert worden. Auch die Veränderung der Regeln oder Preise für die Fahrradmitnahme stand nie zur Disposition. Es sollte einzig ein neues Ticket geschaffen werden, welches von den Bahnhöfen im Landkreis Hildesheim in die Region Hannover als Einzelfahrschein Gültigkeit gehabt hätte. Dadurch dass dabei die Bahncard auf diesen Relationen nicht mehr gelten würde, wäre es aber für viele Fahrgäste sogar teurer geworden, bei enormen dauerhaften Kosten für die Aufgabenträger.

3. Ein Merkblatt für das Aufstellen von ADFC zertifizierten Fahrradständern als Beilage zu gewerbetreibenden Bauanträgen.
Selbstverständlich ist es möglich, dass ein vom Aktionsbündnis zur Verfügung zu stellendes Merkblatt zum Aufstellen von Fahrradständer Baugenehmigungen beigefügt wird. Bei welchen Bauvorhaben dies zweckmäßig ist, wäre noch zu klären.

4. Die Instandhaltung der vorhandenen Radwege und Hauptrouten aus dem Netzplan des IVEP, zum Beispiel Lucienvörder Straße und Godehardsplatz.
Dem Tiefbauamt obliegt die Verkehrswegesicherungspflicht im öffentlichen Straßenraum. Dieser Pflicht wird nachgekommen (so wurde im Herbst z.B. die Waldstrecke des Radweges in den Hildesheimer Wald auf einer nicht unerheblichen Strecke auf voller Breite erneuert. Ein Teilstück des Radweges entlang der Marienburger Straße wird zurzeit ebenfalls noch saniert). Gemeldete Mängel werden nach Dringlichkeit möglichst unverzüglich beseitigt.  Bei den angesprochenen Radrouten über die Lucienvörder Straße und den Godehardsplatz handelt es sich um Fahrbahnen auf denen auch der Radfahrer fährt. Diese sind aus Natursteinmaterial (Klein - u. Großpflaster) mit entsprechendem Fugenanteil hergestellt und können auf Grund der Oberflächenbeschaffenheit keinesfalls mit einem Asphaltstraßenbelag verglichen werden. Die gepflasterten Fahrbahnen sind teilweise wellig. weisen jedoch keine Gefahrenstellen auf. Vor diesem Hintergrund besteht zur Erfüllung der Verkehrswegesicherungspflicht zurzeit kein Handlungsbedarf.

5. Ein Zeichen setzen und die Gartenstraße als Fahrradstraße einrichten.
In der Gartenstraße wurde in diesem Jahr sehr großflächig eine Asphaltreparatur durchgeführt. Der Radfahrer kann dadurch die Straße wieder in beide Richtungen auf einem ebenen Belag befahren. Wünschenswert wäre eine Grundsanierung des Straßenzuges ggf. mit Neuaufteilung der Verkehrsflächen. Eine Grundsanierung beinhaltet jedoch immer die Beteiligung der Anlieger. Ernst nach einer durchgeführten Grundsanierung sollte über die Möglichkeit der Einrichtung einer Fahrradstraße nachgedacht werden. Diese Entscheidung wäre dann durch die Politik zu tätigen.


6. Mehr Klarheit bei den Radverkehrsführungen durch Markierungen, Piktogramme und ggf. Einfärbungen der Oberfläche, zum Beispiel in der Kardinal-Bertram-Straße, Am Propsteihof und Hohnsen.
Durch die Politik wurde die Verwendung von Piktogrammen bzw. Einfärbungen des Belages verworfen. Bei der Kardinal-Bertram-Straße handelt es sich um zwei Ausbaustadien. Der eine Bereich ist bereits ausgebaut, der andere Bereich soll noch ausgebaut werden. Der Radfahrer darf in der Kardinal-Bertram-Straße die Fahrbahn nutzen. Eine entsprechende Hinweisbeschilderung wurde durch den Rad verabschiedet und durch die Stadt umgesetzt. Im Hohnsen darf der Radfahrer auch die Fahrbahn benutzen. Die Beschilderung ist erfolgt. Am Propsteihof sind in Teilbereichen noch keine Deckensanierungen durchgeführt. In so fern entspricht die momentane Markierung noch nicht dem Endzustand. Anzumerken sei hingegen das auf dem Cheruskerring nach der Deckensanierung wieder ausreichend Piktogramme verwendet wurden.


7. Die Geschwindigkeit der Dammstraße, Pfaffenstieg und Schuhstraße auf 30km/h herabsetzen, so wie es in dem IVEP vorgesehen ist.
Zudem gilt Gemäß § 45 Abs. 9 der Straßenverkehrsordnung folgendes:

„Insbesondere Beschränkungen und Verbote des fließenden Verkehrs dürfen nur angeordnet werden, wenn auf Grund der besonderen örtlichen Verhältnisse eine Gefahrenlage besteht, die das allgemeine Risiko einer Beeinträchtigung der in den vorstehenden Absätzen genannten Rechtsgüter erheblich übersteigt.“

Eine solche außergewöhnliche Gefahrenlage liegt in keiner der genannten Straßen vor. Aus diesem Grund konnten die Beschlüsse des IVEP in diesem Bereich nicht ausgeführt werden.

Anzumerken ist noch, dass im Rahmen des IVEP beschlossen wurde, dass eine partielle Senkung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit im Pfaffenstieg auf 30 km/h eingerichtet werden soll. Auf der Dammstraße wurde dieses hingegen nicht beschlossen. Im Bereich der Schuhstraße wurde für den Radfahrer seinerzeit in mehren Abschnitten die Verbindung Kreuzstraße/Friesenstraße als Alternativroute zur Schuhstraße ausgebaut. U.a. wurde speziell für die Radfahrer eine signalgeregelte Querungsmöglichkeit der Wollenweberstraße umgesetzt.

Ergänzend teile ich mit, dass im September 2016 für die Schuhstraße ein weiterer Antrag beim Nds. Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr gestellt wurde, damit die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf 30 km/h reduziert werden kann. Dieses soll aus Gründen der NO2 Belastung erfolgen.


August 2016: Die Forderungen des Aktionsbündnisses "Hildesheim will Rad fahren" an die Politik in Hildesheim

Fahrradfahren ist gesund, umweltfreundlich, klimaschonend und kostengünstig. Wer Fahrrad fährt schont seinen Geldbeutel und ist oft in der Stadt schneller unterwegs als mit anderen Verkehrsmitteln. Der Radverkehr fördert die Bewegung und das Wohlbefinden, die Attraktivität der Stadt, senkt den fossilen Energieverbrauch, den CO2-Ausstoß, die Lärmbelastung, die Belastung der Luft, den Platzbedarf und den Flächenverbrauch.

Das Aktionsbündnis "Hildesheim will Rad fahren" richtet deshalb folgende Forderungen an die Politik in Hildesheim:

1. Mehr Radverkehrswege
Begründung: Angesichts der klimabedingten verheerenden Unwetter und der immensen Schäden durch den Autoverkehr ist eine Verkehrswende unerlässlich. Nur mit weniger Autos, mit mehr Fuß- und Rad- und einem steigendem öffentlichen Nahverkehr lassen sich die Herausforderungen der Zukunft bewältigen.

2. Korrekte Beschilderung der Wege
Begründung: Viele Wege sind in Hildesheim nur mit dem Schild "Radfahrer frei" beschildert. Selbst dann, wenn noch ein Radweg erkennbar ist. Das ist nicht zulässig und verwirrend!

3. Sichere Radverkehrsführung – insbesondere für Kinder
Begründung: Viele Radwege in Hildesheim sind mangelhaft und gefährden die Gesundheit und die Fahrfreude der Nutzer.

4. Sichere Radstreifen auf der Fahrbahn
Begründung: Seit Jahren wurden viele Radwege wegen Mängel aufgehoben. Oft darf dort nur noch auf dem Gehweg in Schrittgeschwindigkeit gefahren werden, um die Fußgänger nicht zu gefährden. Sicherheitsforscher empfehlen deshalb Radstreifen auf der Fahrbahn.
Radstreifen fordern wir auf der
Alfelder Straße, Kurt-Schumacher-Straße, Steinbergstraße, Robert-Bosch-Straße,  Goslarsche Straße, Himmelsthürer Straße, Am Probsteihof, Cheruskerring,  Münchewiese, Linnenkamp, Mastbergstraße und Marienburger Straße (Mit einer Lösung für den Klingeltunnel).

5. Sichere Straßenbeläge
Begründung: Einige Straßen müssen vom Radfahrer benutzt werden obwohl der Straßenbelag (Basalt-, Kopfsteinpflaster) und die vielen Löcher eine große Gefahr darstellen.
Einen sicheren Straßenbelag fordern wir auf der
Lucienförder Straße, Godehardsplatz, Gelber Stern, Lappenberg, und Neue Straße.

6. Instandhaltung von Rad- und Freizeitwegen
Begründung: Hildesheim hat ein umfangreiches Netz von Radwegen für den Alltag und der Freizeit. Überregionale Radwege, wie Innerste-Radweg und Radweg Hameln-Berlin, durchqueren unsere Stadt. Diese sind unverzichtbar für die Fahrten zur Arbeit, zur Schule, zum Einkaufen und den Sport. Manche der Wege sind in einem schlechten Zustand (Beispiel Hohnsen).
Wir fordern eine Instandhaltung der Rad- und Freizeitwege nach dem heutigen Standard.

7. Attraktive Fahrradabstellmöglichkeiten
Begründung: Am Ziel angekommen, sollen die Radfahrer ihr Gefährt schnell, komfortabel und sicher abschließen können - am besten mit Ladestationen für E-Bikes. Weitere Abstellflächen sollen durch Umwittmung von Parkplätzen geschaffen werden.

8. Tempo 30
Begründung: Die Reduzierung der Geschwindigkeit auf Tempo 30 erhöht die Verkehrssicherheit und macht Radwege überflüssig. In dem Integrierten Verkehrsentwicklungsplan (IVEP) wurde Tempo 30 auf einigen Innenstadtstraßen von den Verkehrsexperten vorgeschlagen.
Wir fordern Tempo 30 auf der
Dammstraße, Pfaffenstieg, Kardinal-Bertram-Straße, Schuhstraße, Wollenweberstraße, Goschenstraße, Annenstraße und Hohnsen (2015 bereits umgesetzt).

9. Eine transparente Öffentlichkeitsarbeit
Begründung: Die Bevölkerung muss regelmäßig über die Fortschritte im Radverkehr informiert werden. Nur informierte Bürger wissen Bescheid, können die Informationen sachgerecht umsetzen und so im Straßenverkehr gefährliche Situationen vermeiden. Die Bevölkerung hat ein Recht darauf zu wissen, was in der Verkehrspolitik beraten und beschlossen wird. Wer sich, wie zur Zeit, hinter verschlossenen Türen versteckt, verspielt sein Vertrauen.
Fachliche Informationen der Stadt Hildesheim sind über Internet, Facebook, Twitter, Tageszeitung und Faltblätter bekanntzugeben.


April 2016: Die Hintergründe der Kampagne

Im Herbst 2010 wurde vom Rat der Stadt Hildesheim der Integrierte Verkehrsentwicklungsplan (IVEP) verabschiedet.
Hier ist der IVEP auf der Stadtseite zu finden.

Dieser Arbeitskreis hat den IVEP (S.6) über viele Wochen entwickelt.

Diese meßbaren Ziele wurde gemeinsam vereinbart (IVEP S.26).

Im inneren Stadtbereich wurden diese Maßnahmen vorgeschlagen (IVEP S.35).

Das erstellte Radverkehrsnetz zeigt die Haupt- und Nebenrouten sowie das Freizeitnetz (IVEP S.80)

Öffentlichkeitsarbeit (Auszug aus dem IVEP S.95)
Eine intensive Öffentlichkeitsarbeit kann einen wesentlichen Beitrag zu einer verstärkten Radverkehrsnutzung leisten. Durch Nutzung aller modernen  Kommunikationsmedien und der regelmäßigen Veröffentlichung positiver Meldungen zum Radverkehr – die natürlich mit entsprechenden Inhalten belegt sein müssen – gilt es, den Radverkehr in Hildesheim im Aufwind und als echte Alternative zur Kraftfahrzeugnutzung zu präsentieren und im Bewusstsein der Bevölkerung zu verankern. So sollte jede nennenswerte Eröffnung eines Elementes des Radverkehrskonzeptes öffentlichkeitswirksam publiziert werden. Dafür ist neben den Kommunalpolitikern auch weitere lokale Prominenz zu gewinnen. Neben dieser kontinuierlichen Arbeit bieten sich spezielle Fahrrad-Aktionen an, bei denen ein Zusammenwirken der Verwaltung und der Politik mit den Verbänden, dem
Fahrradhandel, der Polizei und der Presse anzustreben ist.......

Es war und ist nie eine Ausweitung des GVH bis nach Hildesheim geplant oder diskutiert worden. Auch die Veränderung der Regeln oder Preise für die Fahrradmitnahme stand nie zur Disposition. Es sollte einzig ein neues Ticket geschaffen werden, welches von den Bahnhöfen im Landkreis Hildesheim in die Region Hannover als Einzelfahrschein Gültigkeit gehabt hätte. Dadurch dass dabei die Bahncard auf diesen Relationen nicht mehr gelten würde, wäre es aber für viele Fahrgäste sogar teurer geworden, bei enormen dauerhaften Kosten für die Aufgabenträger.